Analoger Look, aber digital fotografiert: So kann es gelingen

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Sophia Kahn
Autorin
Sophia Kahn

Die Ästhetik der analogen Fotografie übt eine besondere Faszination aus, die viele Fotograf*innen auch mit ihrer Digitalkamera nachahmen möchten. Der charakteristische Look, der mitunter auch durch eine gewisse Unvollkommenheit geprägt ist, verleiht den Bildern einen nostalgischen Charme.

Obwohl die digitale Fotografie fortschrittliche Technologien bietet, streben viele nach dem unverwechselbaren Stil der Analogfotografie. Doch vielleicht lassen sich die Vorteile beider Fototechniken ja vereinen? Dieser Frage möchten wir in diesem Artikel nachgehen.

Warum überhaupt einen analogen Look nachahmen?

Was genau macht denn die Faszination an der analogen Fotografie genau aus?

Manche sagen, es liegt daran, dass bei der analogen Fotografie ja das tatsächliche Licht durch das Objektiv auf den “Film” kommt, also genauer gesagt auf Silberhalogenidkörner, die in Gelatine eingelassenen sind. Diese Körner speichern diese “Lichtinformation” – also das Motiv. Und eben diese Lichtinformation wird dann bei einer chemischen Reaktion in ein für das menschliche Auge erkennbare Negativ übersetzt.

Das heißt, dass wir im Gegensatz zur digitalen Fotografie, bei der dieser chemische Prozess nur digital nachgeahmt wird, die “tatsächliche Realität” vor uns sehen – und nicht nur eine technische Übersetzung.

Außerdem erinnert uns die analoge Fotografie an eine Zeit, in der Fotos noch bedachter gemacht worden sind – einfach, weil eine Rolle Film nur 35 Bilder hatte und man nicht wie mit einer Digitalkamera hunderte Bilder in der Minute schießen konnte. Es wird also auch nostalgische Gründe haben, warum viele Leute noch heute der Analogfotografie verschrieben sind.

Tipp 1: Analoge Optiken an digitale Kameras nehmen

Vorteile der Nutzung analoger Objektive

Analoge Objektive an digitalen Kameras zu verwenden ist ein großartiger Weg, um dem Vintage-Look nahe zu kommen.

Diese Objektive sind nicht nur deutlich günstiger als moderne, digitale Varianten – sie verleihen deinen Fotos auch einen einzigartigen Charakter. Oft bekommt man hier für wenig Geld sehr lichtstarke Objektive mit einer sehr offenen Blende (zum Beispiel 1.2 oder 1.4). Der Einsatz dieser Optiken bringt eine subtile Weichheit und gewisse Farbabweichungen, die typisch für analoge Aufnahmen sind.

Du kannst also viele hochwertige, gebrauchte analoge Objektive zu einem Bruchteil des Preises moderner Objektive finden. Marken wie Canon, Nikon und Pentax haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche hervorragende Objektive produziert, die sich perfekt für den analogen Stil eignen.

Der Nachteil: das manuelle Fokussieren

Doch es gibt auch einen kleinen Nachteil – denn ein wichtiger Aspekt beim Einsatz analoger Objektive ist das manuelle Fokussieren.

Dies kann anfangs eine Herausforderung sein, insbesondere bei bewegten Motiven. Moderne Digitalkameras bieten jedoch Hilfsmittel wie die sogenannte Schärfeanzeige, die das Fokussieren erleichtern. Wenn du die Schärfeanzeige aktivierst, wird der Bereich im Bild, der scharf ist, auf dem Bildschirm farbig hervorgehoben (zumeist in der Farbe Rot).

Tipp 2: Die nachträgliche Bearbeitung

Das Hinzufügen von Grain (Rauschen und Körnung)

Ein wesentliches Merkmal des analogen Looks ist die sogenannte Körnung, die eigentlich durch die Porösität der analogen Filme entsteht. Um diesen Effekt digital zu erzeugen, kannst du beispielsweise in Photoshop Grain hinzufügen.

Gehe zu “Filter > Rauschfilter > Rauschen hinzufügen” und passe die Stärke nach deinen persönlichen Vorlieben an. Experimentiere am besten mit verschiedenen Einstellungen, um eine möglichst natürliche Körnung zu erreichen.

Das Hinzufügen von Grain (Rauschen und Körnung)

Nutzung von LUTs, die von analogen Fotos inspiriert sind:

LUTs (Look Up Tables) sind ein kraftvolles Werkzeug, um den Farblook deiner Fotos zu verändern. Es gibt viele LUTs, die speziell darauf abzielen, den Look klassischer Analogfilme nachzuahmen. Oft heißen diese Luts sogar wie die Filmemulsionen, von denen sie inspiriert sind – also zum Beispiel Kodak Gold 200 oder Fuji 400, usw.

Diese LUTs können deinen Bildern den typischen analogen Farbton verleihen. Passe die Intensität an, um den Look zu verfeinern. Weitere Tipps, um dein Bild analoger aussehen zu lassen: Eine leichte schwarze Vignette hinzufügen, die Schwärzen etwas rausnehmen und das Bild eher ins Grüne als ins Lilane gehen lassen.

Tipp 3: Die richtige Fotohöhe und Perspektive

Einfluss der Kameraausrichtung auf den Bildstil

Ein weiterer Trick, um deinen digitalen Fotos einen analogen Look zu verleihen, ist die Veränderung der Kameraposition. Denn indem du die Kamera etwas tiefer hältst, erzeugst du eine Perspektive, die an Aufnahmen mit Mittelformatkameras erinnert.

Diese Kameras wurden oft aus Hüfthöhe bedient, da man von oben in den Sucher hineinschauen musste.

Vorteile der Perspektivänderung für einen authentischen Look

Durch die Veränderung der Perspektive kannst du den Blickwinkel und die Stimmung deiner Fotos mehr beeinflussen, als man oft denkt. Denn eine niedrige Kameraposition erzeugt nicht nur den “Mittelformat-Effekt”, sondern kann auch helfen, das Hauptmotiv vom Hintergrund abzuheben und eine interessante Bildkomposition zu schaffen.

Als man noch analog fotografiert hat, gab es ja viel weniger Bilder, die man geschossen hat. Daher haben sich die Fotograf*innen wohl auch genauer überlegt, welche Bilder sie schießen. Versetze dich also in diese Zeit hinein, beschränke dich selbst mit der Anzahl der Fotos – und du wirst von ganz allein auf besondere Bildwinkel kommen.

Tipp 4: Die passende Motivwahl und Hintergrundgestaltung

Auswahl zeitloser Hintergründe

Die Wahl des Hintergrunds kann natürlich dabei helfen, den analogen Look zu unterstützen. Zeitlose Hintergründe wie Naturkulissen, historische Gebäude oder aber auch schlichte und neutrale Wände eignen sich besonders gut, um den analogen Look auch auf der Bildebene entstehen zu lassen.

Vermeide moderne Elemente wie Autos oder moderne Reklameschilder, die das Bild in einer bestimmten Zeitperiode verorten könnten.

Outfits und Styling für den Vintage-Look

Und auch die Kleidung und das Styling der fotografierten Personen tragen wesentlich zum analogen Look bei. Wählt gemeinsam Outfits aus, die zeitlos oder im Retro-Stil gehalten sind. Accessoires wie Hüte, Brillen oder Schmuck aus vergangenen Jahrzehnten können den Vintage-Effekt verstärken.

Fazit

Der analoge Look besticht durch eine besondere Ästhetik, die aber auch in der digitalen Fotografie dank analoger Optiken und bestimmter Bearbeitungstechniken nachgeahmt werden kann. Mit den richtigen Linsen, sorgfältiger Nachbearbeitung in Photoshop und der passenden Wahl von Perspektiven und Motiven kannst du beeindruckende, nostalgische Bilder erstellen.

Experimentiere mit verschiedenen Techniken und finde deinen eigenen Weg, den Charme der analogen Fotografie auch in deine digitalen Werke zu integrieren.

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